Wenn ich tot bin singt
mir ein schönes Lied.
Bin nicht gern gegangen.
Ging nur, weil’s geschieht.

Tretet nicht das Gras.
Es kann nichts dafür.
Denkt, es wachsen Gräser
einmal auch aus mir.

Diese wenigen Worte hatte sich der Dichter Peter Maiwald für danach aufgehoben. Am 1. Dezember 2008 ist er in Düsseldorf gestorben.

Jahr und Tag später, am 2. Dezember 2009, erinnerte der freiraum neuss an ihn. Wer braucht schon Lyrik? Fast 50 Menschen hatten den Bedarf und kamen zur Lesung in den Hamtorkrug in der Büttger Straße.
Hannes Schäfer, der eine Auswahl der Gedichte, Balladen und Prosastücke Maiwalds vortrug, gab den Worten Klang und Stimme. Peter Maiwalds große Kunst war, Sprachschutt, Worthülsen und Redensarten aufzulesen, zu säubern und zu polieren, Gedanken und Worte zu verdichten, dass sie Mehrdeutigkeit und neuen Sinn gewannen. Es ist die Sprache der einfachen Leute, die Maiwald ins Licht gesetzt hat. Man sieht den Gedichten die Arbeit nicht an, die darin steckt, so dass sie oft den Eindruck erwecken, als müsste das Gesagte genau so gesagt werden und könne gar nicht anders ausgedrückt werden. Hannes Schäfer brachte mit seiner nuancierten Vortragskunst die Worte zum Funkeln, die Kindergedichte aus „Die Leute von der Annostraße“, Die „Ballade von der Hester Jonas“, die an Heiligabend 1635 in Neuss als Hexe verbrannt wurde, die sinnlichen Verse von gefundener und erkalteter, verlorener Liebe, die Verse vom lastenden Alltag und dem kleinen Glück. Und die kurzen Prosastücke, in denen der Widersinn des scheinbar Selbstverständlichen durchsichtig gemacht wird und man die Stimme des Kindes aus dem Märchen rufen hört: „Aber er hat ja gar nichts an.“

Es durfte gelacht werden an diesem Abend und in dem Lachen klang Erkenntnis mit. Mehr ist von dem Dichter und seinem Interpreten nicht zu fordern.

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