Mittwoch, 27. Juni, 19:00 Uhr,
Salzstr.55 in Neuss
(Haus International, gegenüber Hauptbahnhof)

Marx‘ „Kapital“ in Zeiten der Krise

In der globalen Krise bezweifeln immer mehr Menschen, dass der Kapitalismus der Weisheit letzter Schluss ist. Den Medien zufolge wächst das Interesse an Karl Marx, dem fundamentalsten Kritiker der „bürgerlichen Produktionsweise“.
Vorherrschend ist allerdings sowohl bei Globalisierungskritikern als auch bei manchen Linken eine eher oberflächliche Kapitalismuskritik, die sich zwar mitunter auch auf Marx beruft, aber von seiner radikalen Kritik an den marktwirtschaftlichen Kategorien offensichtlich nichts weiß oder nichts wissen will. Das Gerede von „gierigen Bankern“, analytisch auf demselben Niveau wie das Schimpfen auf „faule Griechen“, offenbart eine „Kritik“, welche leider nicht einmal Marx‘ Vorwort zum „Kapital“ zur Kenntnis nimmt.
Die konsequente Empfehlung, Marx doch selbst im Original zu lesen, stößt allerdings auf nicht unerhebliche Schwierigkeiten. Sein lückenhaft gebliebenes „Kapital“ ist weder leicht verständlich noch frei von Widersprüchen. Ein Verständnis der Marx’schen Analyse ist kaum möglich ohne die Kenntnis zahlreicher weiterer Schriften. Muss man also den „gesamten Marx“ gelesen haben oder sogar – wie Lenin meinte – zuerst den „gesamten Hegel“? Es kann wahrscheinlich nicht schade.

Für lesefaule Menschen haben wir einen der renommiertesten deutschsprachigen Marx-Kenner zu Gast.
Dr. Michael Heinrich, Politikwissenschaftler an der Hochschule für Technik und Wirtschaft Berlin, Mitarbeiter der Marx-Engels-Gesamtausgabe (MEGA) und geschäftsführender Redakteur von „PROKLA- Zeitschrift für kritische Sozialwissenschaft“ hat mit mehreren Büchern insbesondere zum ersten Band des „Kapitals“ gezeigt, dass er die komplexe Materie anschaulich und verständlich zu erläutern versteht. Nach einem einführenden Vortrag zur kategorialen Marx’schen Kapitalismuskritik wird er für eine ausführliche Diskussion zur Verfügung stehen.

Der Eintritt ist frei.

Veranstalter: AK-Geschichte

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23.05.2012
19:00 Uhr
Salzstr. 55 (nähe Neuss Hbf)

Der expressionistische Dramatiker, Revolutionär und Arbeiterdichter Ernst Toller zog im August 1914 als Kriegsfreiwilliger an die Front, und kehrte im Mai 1916 nach einem Lazarettaufenthalt als Pazifist in die Heimat zurück.
Er galt, neben Gustav Landauer und Kurt Eisner, als einer der führenden Persönlichkeiten der bayerischen Räterepublik im April 1919, die bereits nach sechs Tagen scheiterte.
Toller ging in den Untergrund, wurde steckbrieflich gesucht, am 4. Juni 1919 in München verhaftet und am 16. Juli 1919 zu fünf Jahren Festungshaft verurteil.
In der Zelle entstehen seine Theaterstücke „Masse Mensch“ (1919), „Die Maschinenstürmer“ (1921), „Hinkemann“ (1921/22).
Gefängnislyrik, sowie seine Autobiographie „Eine Jugend in Deutschland“.
Am 15. Juli 1924 wird Toller aus der Haft entlassen, und aus dem Freistaat Bayern ausgewiesen.
Als am 27. Februar 1933 der Reichstag brennt, hält sich Toller in der Schweiz auf. Im Mai 1933 werden seine Bücher verbrannt, und am 23. August wird Toller durch das NS-Regime ausgebürgert.
Im Januar 1934 siedelt er von Zürich nach London über und im Oktober 1936 in die USA, wo er, neben Thomas Mann, als einer der bekanntesten Exilautoren deutscher Sprache galt.
Am 22. Mai 1939 nahm sich Toller in einem Hotel in New York das Leben.
Seine Texte verloren niemals ihre Gültigkeit und sind gerade in unseren Tagen von erschreckender Aktualität.
Der Schauspieler und Sprecher Uwe Neubauer liest aus dem Gesamtwerk, u.a. aus der Autobiographie.

Eine Veranstaltung des AK-Geschichte

Frauen sind psychisch zu Rassismus und Antisemitismus gar nicht fähig – diese These von Margarete Mitscherlich bestimmt unterschwellig bis heute die Diskussion um die Rolle der Frau im Nationalsozialismus. Frauen waren demnach in der NS-Zeit vor allem Opfer einer restriktiven Geschlechterideologie und eines reaktionären Frauenbildes, welches sie auf die Mutterrolle reduzierte. Schließlich mussten Frauen die Hauptlast während des Krieges und danach tragen (Stichwort Trümmerfrauen).

Das dahinter durchscheinende Frauenbild orientiert sich an einem von den Nazis gezeichneten Propagandabild der „friedfertigen“ und “beschützenden“ Frau, welches bis heute weiterwirkt – sichtbar z.B. an der medialen Verwunderung über den Frauenanteil in rechtsradikalen Organisationen. Daran muss die Kritik ansetzen. 

Allerdings steht nicht die schlichte Erkenntnis im Mittelpunkt, dass Frauen als KZ-Aufseherinnen und Denunziantinnen an der Ausgrenzung und Vernichtung von Juden und Jüdinnen beteiligt waren. Vielmehr stellt sich die Frage, was Abermillionen Frauen begeistert an der Verwirklichung des Projekts „Volksgemeinschaft“ mitwirken ließ. Unter gewaltsamer Ausgrenzung aller nicht „arischen“ Frauen bot das Regime vielen „volksdeutschen“ Frauen offenbar zuvor nicht gekannte Teilhabe- und Aufstiegsmöglichkeiten, insbesondere an der „Heimatfront“ während des Krieges. Lässt sich also von einer „NS-Frauenbewegung“ reden oder gar von einem „völkischen Feminismus“?

Dabei kann es nicht darum gehen, den Nationalsozialismus durch den Nachweis moderner Tendenzen aufzuwerten. Vielmehr wird hier exemplarisch die ungebrochene Ambivalenz der „Moderne“ selber deutlich.

Referentin: Dr. Nicole Kramer

Veranstalter:   

Volkstumspflege und Brauchgemeinschaft

Wie jedes Jahr, einige Monate nachdem die „fünfte Jahreszeit“ ihr Ende gefunden hat, erwacht im Rhein-Kreis Neuss – wie in vielen anderen Regionen – ein weiteres „Brauchtum“ aus dem Winterschlaf.
Von Anfang Mai bis Ende Oktober werden an jedem Wochenende in einer anderen Stadt und in jedem noch so kleinen Dorf im Kreis Neuss die Straßen mit Fahnen geschmückt, Fackelmärsche und s.g. Festumzüge abgehalten. An den Häusern liest man Schriftzüge wie „Heil dem Jägermajor“ oder „Hoch lebe unser König“. Ein gruseliges Bild. Nicht nur für Menschen, die nicht in der Region aufgewachsen sind.
Die Rede ist von den sogenannten Bürger-Schützenfesten. (weiterlesen/PDF-Datei)

Thomas Meyer-Falk, seit 1996 in Stuttgart Stammheim, Straubing, z.Zt. in der JVA Bruchsal inhaftiert, davon zehn Jahre in Isolationshaft gehalten, berichtet seit Jahren mit seinen „Meldungen aus der Zelle 3117“ über Zustände und Realitäten aus dem deutschen Knastalltag.
Die eingeschränkte Kommunikation, die in vielerlei Hinsicht fehlenden Sinneseindrücke und die ständigen Auseinandersetzungen um den Erhalt kleinster individueller Freiheiten haben seinen Blick auf das Wesentliche geschärft.
In seinen Essays und Gedichten beschreibt Thomas Meyer-Falk eine Welt, die erstaunliche Parallelen zu unserem eigenen Alltag aufzeigt.
Abseits von Schuld , Reue und Sühne bezieht sein Buch klar Stellung zu aktuellen Entwicklungen in den Justizvollzugsanstalten, auch wenn es einigen Leuten nicht passt…

Der Schauspieler und Sprecher Uwe Neubauer, in ständigem Kontakt und Zusammenarbeit mit Thomas Meyer-Falk, liest aus dem im Blaulicht-Verlag erschienenen Buch „Nachrichten aus dem Strafvollzug“.

Eine Veranstaltung des AK-Geschichte und der Ortsgruppe Düsseldorf/Neuss der Roten Hilfe e. V.

Zwischen dem 16.03.2011 und 19.03.2011 hält der „Zug der Erinnerung“ in Grevenbroich und Neuss. Mehr Info’s

Der AK-Geschichte nimmt dies zum Anlass, den Begriff des „Gedenken“ einmal näher zu beleuchten:

War der Umgang mit der Erinnerung an die Shoa in Deutschland früher vor allem Verdrängung und Abwehr der Schuld, begann sich dies vor mehr als einem Jahrzehnt zu verändern. Als Bundespräsident Roman Herzog den 27. Januar vor 15 Jahren als „Tag des Gedenkens für die Opfer des Nationalsozialismus“ zum nationalen Gedenktag erhob, ist nicht nur der Tag, sondern immer mehr auch die Thematisierung deutscher Verbrechen während des Nationalsozialismus und der Shoa fester Bestandteil deutscher Erinnerungskultur geworden. Was bedeutet das für ein Gedenken, das nicht die Affirmation der herrschenden Verhältnisse betreiben möchte und welche Rolle spielen der Nationalsozialismus und die Shoa, sowie das Erinnern an sie, für eine kritische Theorie der Gesellschaft? Vor dem Hintergrund dieser Fragen soll ein materialistisches Gedenken skizziert werden, das nicht ein Angebot im Supermarkt der Erinnerungskulturen ist, sondern sozialistische Kritik.

Referent: Phillip Schweizer (Die Falken Erfurt – Sozialistische Jugend)
www.falken-erfurt.de

15.03.2011
19:00 Uhr
Salzstr. 55 (Haus International)
41460 Neuss

Flyer

Wie bei allen Veranstaltungen gilt auch hier:

Mitglieder und AnhängerInnen rechtspopulistischer bzw. extrem rechter Parteien und Organisationen wie NPD, „pro NRW“, Rep oder der „Freien Kameradschaften“ haben keinen Zutritt zu der Veranstaltung. Die VeranstalterInnen behalten sich vor von ihrem Hausrecht Gebrauch zu machen.

Veranstalter: AK Geschichte

Einige mögen es geradezu als dreist bezeichnen, wenn sich kurz vor dem höchsten Neusser Feiertag eine Veranstaltung kritisch mit Schützenwesen, Gesellschaft und NS auseinandersetzt. Den Eindruck hatte der AK Geschichte allerdings nicht. Mit über 30 Gästen gut besucht und äußerst aufschlussreich war der Vortrag von Henning Borggräfe ein guter Start in die Vortragsreihe und zeigt, dass eine kritische
Öffentlichkeit in Neuss durchaus vorhanden ist.

Kurzzusammenfassung zum Vortrag (PDF-Datei)

Überblick Schützenverbandsstrukturen auf Reichsebene und in Westfalen (PDF-Datei)

Deutsche Schützenzeitung, 18. April 1936 (Grafik-Datei)