black-cat-bluesFreitag, 01.11. 2013 | 19:00 Uhr

Der Lyriker Hans Marchetto liest

black cat blues und andere Gedichte

KisteDrei58 | Jülicher Str. 58 | 41464 Neuss

Eintritt: Spende erwünscht

In der Sammlung von Gedichten mit dem Titel „black cat blues“ beschreibt Hans Marchetto nüchtern, ohne jeglichen Pathos, die kleinen Momente. Es sind sind Zeugen eines unangepassten Lebens, sie wettern gegen Chefs, rufen auf zu Streik und Sabotage und sprechen von der Mühsal, mit wenig Geld durch das Leben zu kommen. Er erzählt Autobiographisches nach, lakonisch, kurz, ohne Wertung: seine Kindheit in Winterthur, seine Arbeit für die Gewerkschaft, seine Erfahrungen als Maler, auf dem Bau. Wenn Joe Hill wieder auftaucht, wenn die schwarze Katze der Anarchie durch die Nacht zieht, wenn dem arroganten Vorarbeiter mit Bauschaum der Auspuff verstopft wird, dann sind das die kleinen Momente, die vielleicht nicht den Ausweg aus dem monotonen Arbeitsleben, aber zumindest ein grimmiges Lächeln erlauben. Es sind Gedichte, die den Augenblick festhalten, die Flüchtigkeit des Moments, ohne dass sie sich reimen würden. Es sind Gedichte aus der mündlichen Sprache geschöpft: Erzähltes, Erfahrenes, bei denen ein Unterton von Bitterkeit mitschwingt, eine harte, trockene Kürze, die sich dem Publikum weder aufdrängt, noch anbiedern möchte. Es ist so, wie es ist, dieses Leben.

HANS MARCHETTO (*1956 in Winterthur). Lehre als Maler, mehrere kurze Gefängnisaufenthalte, bekennender Anarchist seit er 20 Jahre alt ist. Autodidakt, Lyriker. Lebt und arbeitet momentan in Zürich.

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23.05.2012
19:00 Uhr
Salzstr. 55 (nähe Neuss Hbf)

Der expressionistische Dramatiker, Revolutionär und Arbeiterdichter Ernst Toller zog im August 1914 als Kriegsfreiwilliger an die Front, und kehrte im Mai 1916 nach einem Lazarettaufenthalt als Pazifist in die Heimat zurück.
Er galt, neben Gustav Landauer und Kurt Eisner, als einer der führenden Persönlichkeiten der bayerischen Räterepublik im April 1919, die bereits nach sechs Tagen scheiterte.
Toller ging in den Untergrund, wurde steckbrieflich gesucht, am 4. Juni 1919 in München verhaftet und am 16. Juli 1919 zu fünf Jahren Festungshaft verurteil.
In der Zelle entstehen seine Theaterstücke „Masse Mensch“ (1919), „Die Maschinenstürmer“ (1921), „Hinkemann“ (1921/22).
Gefängnislyrik, sowie seine Autobiographie „Eine Jugend in Deutschland“.
Am 15. Juli 1924 wird Toller aus der Haft entlassen, und aus dem Freistaat Bayern ausgewiesen.
Als am 27. Februar 1933 der Reichstag brennt, hält sich Toller in der Schweiz auf. Im Mai 1933 werden seine Bücher verbrannt, und am 23. August wird Toller durch das NS-Regime ausgebürgert.
Im Januar 1934 siedelt er von Zürich nach London über und im Oktober 1936 in die USA, wo er, neben Thomas Mann, als einer der bekanntesten Exilautoren deutscher Sprache galt.
Am 22. Mai 1939 nahm sich Toller in einem Hotel in New York das Leben.
Seine Texte verloren niemals ihre Gültigkeit und sind gerade in unseren Tagen von erschreckender Aktualität.
Der Schauspieler und Sprecher Uwe Neubauer liest aus dem Gesamtwerk, u.a. aus der Autobiographie.

Eine Veranstaltung des AK-Geschichte

Ellen Schernikau liest aus „Irene Binz“
am Donnerstag, 6. Oktober, 19.00 Uhr
im Hamtorkrug, Büttger Straße 3, Neuss.


Der Eintritt ist frei. Zur Finanzierung der Veranstaltung bitten wir um eine Spende.

Hamburg im Herbst 1981:

Der Schriftsteller Ronald M. Schernikau lässt sich von seiner Mutter seine Kindheit und ihr eigenes, erstaunliches Leben erzählen. Es entsteht das radikal ehrliche Protokoll eines eigenwilligen Lebensweges. »Irene Binz. Befragung« ist die Prosafassung, die nach dem Gespräch zwischen Ronald M. Schernikau und seiner Mutter Ellen entstanden ist.
Irene Binz, literarisches Alter Ego von Ellen Schernikau, erzählt von ihrer Familie und ihrer Jugend in Magdeburg, wo sie schließlich Thomas kennenlernt. Doch kurz nachdem ihr gemeinsames Kind Ronald geboren ist, flieht Thomas in den Westen. Irene hält an ihrer großen Liebe fest und gibt ihren Wunsch nach einer gemeinsamen Zukunft nicht auf.
Aber: Sie ist mit den Verhältnissen in ihrem Land im Reinen. Hin- und hergerissen zwischen ihrem schlechten Gewissen ob der »Vaterlosigkeit« des Jungen und ihrer Überzeugung, ihre Heimat in der DDR zu haben, wagt sie nach langem Zaudern die Flucht in den Westen – und muss erkennen, dass Thomas dort längst eine neue Familie gegründet hat. Nach dieser Demütigung ist sie entschlossen, nun auch in der Bundesrepublik ihren Weg zu gehen.
Die Geschichte einer ungewöhnlichen Frau, die sich zwischen ihrer Liebe und ihrer politischen Überzeugung entscheiden muss. Und das Porträt einer starken Mutter, die fest an ihre Ideale glaubt.
»Wer das nicht als die allerinnigste und zarteste Musik hören kann, ist verflucht«,
schreibt der Schriftsteller Dietmar Dath im Vorwort des Buches.

Thomas Meyer-Falk, seit 1996 in Stuttgart Stammheim, Straubing, z.Zt. in der JVA Bruchsal inhaftiert, davon zehn Jahre in Isolationshaft gehalten, berichtet seit Jahren mit seinen „Meldungen aus der Zelle 3117“ über Zustände und Realitäten aus dem deutschen Knastalltag.
Die eingeschränkte Kommunikation, die in vielerlei Hinsicht fehlenden Sinneseindrücke und die ständigen Auseinandersetzungen um den Erhalt kleinster individueller Freiheiten haben seinen Blick auf das Wesentliche geschärft.
In seinen Essays und Gedichten beschreibt Thomas Meyer-Falk eine Welt, die erstaunliche Parallelen zu unserem eigenen Alltag aufzeigt.
Abseits von Schuld , Reue und Sühne bezieht sein Buch klar Stellung zu aktuellen Entwicklungen in den Justizvollzugsanstalten, auch wenn es einigen Leuten nicht passt…

Der Schauspieler und Sprecher Uwe Neubauer, in ständigem Kontakt und Zusammenarbeit mit Thomas Meyer-Falk, liest aus dem im Blaulicht-Verlag erschienenen Buch „Nachrichten aus dem Strafvollzug“.

Eine Veranstaltung des AK-Geschichte und der Ortsgruppe Düsseldorf/Neuss der Roten Hilfe e. V.

Wenn ich tot bin singt
mir ein schönes Lied.
Bin nicht gern gegangen.
Ging nur, weil’s geschieht.

Tretet nicht das Gras.
Es kann nichts dafür.
Denkt, es wachsen Gräser
einmal auch aus mir.

Diese wenigen Worte hatte sich der Dichter Peter Maiwald für danach aufgehoben. Am 1. Dezember 2008 ist er in Düsseldorf gestorben.

Jahr und Tag später, am 2. Dezember 2009, erinnerte der freiraum neuss an ihn. Wer braucht schon Lyrik? Fast 50 Menschen hatten den Bedarf und kamen zur Lesung in den Hamtorkrug in der Büttger Straße.
Hannes Schäfer, der eine Auswahl der Gedichte, Balladen und Prosastücke Maiwalds vortrug, gab den Worten Klang und Stimme. Peter Maiwalds große Kunst war, Sprachschutt, Worthülsen und Redensarten aufzulesen, zu säubern und zu polieren, Gedanken und Worte zu verdichten, dass sie Mehrdeutigkeit und neuen Sinn gewannen. Es ist die Sprache der einfachen Leute, die Maiwald ins Licht gesetzt hat. Man sieht den Gedichten die Arbeit nicht an, die darin steckt, so dass sie oft den Eindruck erwecken, als müsste das Gesagte genau so gesagt werden und könne gar nicht anders ausgedrückt werden. Hannes Schäfer brachte mit seiner nuancierten Vortragskunst die Worte zum Funkeln, die Kindergedichte aus „Die Leute von der Annostraße“, Die „Ballade von der Hester Jonas“, die an Heiligabend 1635 in Neuss als Hexe verbrannt wurde, die sinnlichen Verse von gefundener und erkalteter, verlorener Liebe, die Verse vom lastenden Alltag und dem kleinen Glück. Und die kurzen Prosastücke, in denen der Widersinn des scheinbar Selbstverständlichen durchsichtig gemacht wird und man die Stimme des Kindes aus dem Märchen rufen hört: „Aber er hat ja gar nichts an.“

Es durfte gelacht werden an diesem Abend und in dem Lachen klang Erkenntnis mit. Mehr ist von dem Dichter und seinem Interpreten nicht zu fordern.

„Bevor die Sonne untergeht, hole ich noch schnell das Blaue vom Himmel“

15 Jahre, von 1970 bis 1985, hat der Lyriker Peter Maiwald in Neuss gelebt und gearbeitet. Er hat Worte gemacht, die sich reimten auf die Menschen, von denen er erzählte und für die er schrieb. Das Leben der einfachen Menschen, ihr Kampf um ein bisschen Glück oder ums tägliche Überleben, das ist das zentrale Thema seines Werks. Diese Texte hatten, wie er schrieb, „nicht die sittliche Reife, die hierzulande der Gedichtkunst im besonderen und der Literatur im allgemeinen abverlangt wird: sie waren nämlich durch und durch und überaus witzig (was nichts anderes heißt als: in der Trauer verständig)“.

Vor einem Jahr ist Peter Maiwald in Düsseldorf gestorben.

Am 2. Dezember ab 19.30 Uhr liest der Schauspieler Hannes Schäfer aus Peter Maiwalds Werk im Hamtorkrug, Büttger Straße 3, in Neuss.
Kostenbeitrag: 4 Euro
Tickets ab sofort im Hamtorkrug oder per E-Mail an den freiraum.

Eine Veranstaltung des freiraum neuss

freiraum neuss & Haus der Jugend präsentieren:

Make some Neuss – Poetry Slam

Der moderne Dichterwettstreit
Gedichte und Geschichten bis 5 Minuten
Anmeldung vor Ort möglich

30. August 2009
27. September 2009
29. November 2009

20:00 Uhr
Haus der Jugend
Neuss, Hamtorwall 18