«Pierburg: Ihr Kampf ist unser Kampf»
von Edith Schmidt und David Wittenberg. BRD 1974/75, 49 Min.

Ob es in Pierburg noch Leibeigene gebe, fragt eine Stimme aus dem Off, die sich, wie der gesamte Film „Pierburg: Ihr Kampf ist unser Kampf“ mit dem Streik solidarisiert. Die Kamera begleitet die Ereignisse bei der Firma Alfred Pierburg AG im August 1973, als eine Woche lang die Arbeiterinnen für die Abschaffung der Leichtlohngruppe II – das waren damals 4,70 DM pro Stunde – und gegen Lohndiskriminierung demonstrierten. Die Firma Alfred Pierburg AG stellte Mitte der 1970er Jahre Vergaser und Kraftstoffpumpen für die westdeutsche Automobilindustrie her. Vertrieben wurden diese unter dem Namen „Solex“. Von insgesamt 3.800 Beschäftigten waren ungefähr siebzig Prozent Gastarbeiterinnen und Gastarbeiter, wobei Frauen weit in der Mehrzahl waren. Sie setzten sich gegen die unterschiedliche Bezahlung für Männer und Frauen zur Wehr und forderten „Gleicher Lohn für gleiche Arbeit“ und „Eine Mark mehr“ pro Stunde für alle. Auch traten sie insgesamt für bessere Arbeitsbedingungen ein. In dem Film berichten sie auch von miserablen Wohnbedingungen in den werkseigenen Zimmern. Nach und nach wurden die Arbeiterinnen auch von ihren deutschen (und) männlichen Kollegen voll unterstützt. Der Streik von Pierburg gilt auch deshalb als legendär, da er in erster Linie von Migrantinnen initiiert wurde und erfolgreich war. Bei Pierburg wurde erstmals die Leichtlohngruppe II abgeschafft und auch nicht wieder eingeführt. Außerdem wurde niemand entlassen und darüber hinaus auch noch die Tarifpolitik der Gewerkschaften in Frage gestellt. Die Filmemacherin Edith Schmidt und der Filmemacher David Wittenberg haben „Pierburg: Ihr Kampf ist unser Kampf“ ohne Sendeanstalt und ohne Verbindung zu politischen Gruppen gedreht. Er ist in enger Absprache mit den Streikenden entstanden und wurde als Öffentlichkeitsarbeit für und mit der Belegschaft und dem Betriebsrat produziert. Er war in erster Linie für Diskussionen, Veranstaltungen und überregionale Betriebsarbeit gedacht. Im Fernsehen wurde er nie gezeigt, er lief allerdings auf zahlreichen Solidaritätsveranstaltungen.

Edith Schmidt, Filmemacherin, geboren 1937, lebt und arbeitet in Frankfurt am Main. David Wittenberg, Autor und Filmemacher, geboren 1940, lebt und arbeitet in Köln.

Quelle: Ausstellungsführer „Projekt Migration“